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25.10.2015

25. Oktober 2015


Ein sehr schöner, noch nicht ausdrücklich erwähnter Nebeneffekt meiner Schulgründung ist, dass ich dadurch ganz besonders nette und außergewöhnliche Menschen kennenlernen durfte. Von vielen habe ich schon während der letzten zwei Jahre berichtet. Heute möchte ich Ihnen Barbara Schmidt vorstellen. Barbara hat ihren Job als Juristin an den Nagel gehängt, sich einen Webstuhl gekauft, ist mit ihrer Familie von Wien ins Waldviertel gezogen und betreibt nun die kleinste Teppich-Weberei Österreichs - die „Wollschmiedn“. Sie lebt mit ihrem Mann Thomas - einem der weltweit dreißig letzten Kupferstecher – und ihren beiden Kindern Leon und Lilli in Nondorf. Leon besucht die Schule im Dialog und Barbara hat uns eingeladen, ihre kleine Weberei zu besuchen. Das Besondere an Barbaras Teppichen ist, dass sie nicht nur handgewebt sind, sondern von ihr auch mit kunstvollen Filztatoos verziert werden, eine neue Kunstform, die sie selbst entwickelt hat.

Am Dienstag ist es so weit. Gleich in der Früh brechen wir nach Nondorf auf. Da die Wollschmiedn wirklich sehr klein ist, teilen wir uns gruppenweise auf. Barbara präsentiert und erklärt jeweils sechs Kindern ihren Webstuhl, während sich alle anderen im Gemeinschaftshaus von Nondorf im Nadelfilzen üben können. Mit Hilfe von Keksausstechern entstehen bunte Anhänger und andere kleine Filzobjekte. Die Kinder arbeiten voller Freude und Begeisterung. Für die ganz Flotten hat Barbara noch etwas anderes vorbereitet: Teelichter aus Würfelzucker herzustellen, ist ein süßer Spaß. Nicht jeder Zuckerwürfel landet bestimmungsgemäß auf der mit Alufolie überzogenen Kartonkarte als Baustein des Teelichtes.

Am Webstuhl dürfen alle Kinder selbst Hand anlegen. Dass Schiffchen wird durch das von den Kettfäden gebildete Fach geschoben/geschossen. Anschließend wird der dicke wollene Schussfaden mit Hilfe der Weblade/dem Webkamm an das Gewebe angedrückt. Das ist im Fall von Barbaras Teppichwebstuhl körperliche Schwerstarbeit. Vier Kinder arbeiten gleichzeitig, um genügend Druck auf den entstehenden Teppich auszuüben. Ich bekomme den Eindruck, dass man beim Weben von Schafwollteppichen getrost auf den Besuch eines Fitnesscenters verzichten kann.

Barbaras Teppiche können sowohl als Bodenteppiche, als auch als Wandschmuck verwendet werden. Die Tatoos sind bis zu achtmal gefilzt und halten somit auch den täglichen Gebrauch am Fußboden bestens aus. Barbara ist gerade dabei, für unsere Schule einen blauen Teppich zu weben, den wir dann mit den Kindern mit selbst entworfenen Tatoos befilzen werden. Wenn es so weit ist, werde ich darüber wieder mit vielen Fotos berichten.

Übrigens, wer sich für diese uralte Kulturtechnik des Webens näher interessiert, oder das Nadelfilzen auf Teppichen lernen möchte, kann dies bei einem Kurs in der Wollschmiedn tun. Wäre auch ein schönes und etwas anderes Weihnachtsgeschenk! Außerdem wird es in diesem Schuljahr noch einen Nadelfilzkurs für Kinder bei uns in der Schule geben.

Und noch etwas haben wir Barbara zu verdanken: Da wir an diesem Dienstagvormittag nicht mehr, wie von ihr geplant, zum Flechten kommen, gibt sie uns den dafür vorgesehenen riesigen Packen an Schafwollschnüren in die Schule mit. Am Nachmittag entwickeln Bernhard und ich daraus spontan eine wunderbare Übungseinheit zum Thema Längenmaße. Die Kinder der vierten und fünften Schulstufe sind über eine Stunde damit beschäftigt, alle Schnüre abzumessen, die Messergebnisse zu notieren und zusammenzurechnen und durch die Anzahl der Schulkinder zu dividieren. Wir wollen wissen, wie viele cm Wollschnur sich jeder abschneiden darf, damit alle zum Flechten gleich viel bekommen. Unter Mariannes fachkundiger Anleitung lernen damit am Mittwoch auch unsere drei Erstklassler bunte Schnüre zu flechten.

Danke für diesen schönen Vormittag in der Wollschmiedn!!!